NDR: Hygienemängel in den Zügen der Deutschen Bahn

  • Bisher dachte ich, es gäbe nur das Sommerloch. Aber nein, es scheint auch ein Winterloch zu geben:


    Hygienemängel in den Zügen der Deutschen Bahn

  • Die (Un)hygienischen Zustände in Zügen des Nah- und Fernverkehrs der Bahn AG sind in der Tat teilweise besorgniserregend. Als Viel-Fahrer habe ich mir davon persönlich einen Eindruck machen können und leidvoll erfahren, dass es nicht nur vereinzelte Problemfälle handelt, sondern in der Tat bereits Problemflächen. In diesem Zusammenhang von einem Winterloch zu sprechen, halte ich nicht für zielführend. Schaut Euch mal dazu diese Bilderan.

    Verantwortung trägt man nicht nur für das was man tut, sondern auch für das was man nicht tut.

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  • ßäng juh for träwweling wiss ße deutsche bahn.


    Die kommunalen Gesundheitsbehörden können da gar nix machen, siehe § 72 IfSG.

  • Die (Un)hygienischen Zustände in Zügen des Nah- und Fernverkehrs der Bahn AG sind in der Tat teilweise besorgniserregend. Als Viel-Fahrer habe ich mir davon persönlich einen Eindruck machen können und leidvoll erfahren, dass es nicht nur vereinzelte Problemfälle handelt, sondern in der Tat bereits Problemflächen. In diesem Zusammenhang von einem Winterloch zu sprechen, halte ich nicht für zielführend.

    Ich will ja nicht die hygienischen Zustände bei der Deutschen Bahn beschönigen. Natürlich müssen solche Mängel behoben werden.


    Fakt ist aber, dass die Ergebnisse aus der NDR-Reportage bei anderen Verkehrsmitteln oder an Flächen, die uns tagtäglich umgeben, nicht anders aussehen wird.


    Wir leben in einer Welt voller Mikroorganismen, in der wir zahlenmäßig ja nun mal eher eine untergeordnete Rolle spielen; auch wenn das manch einer nicht wahr haben will ...

  • Zitat

    Fakt ist aber, dass die Ergebnisse aus der NDR-Reportage bei anderen Verkehrsmitteln oder an Flächen, die uns tagtäglich umgeben, nicht anders aussehen wird.

    Hallo Kai, mag sein, dass rechtfertigt meiner Meinung jedoch noch nicht, die tatsächlich vorhandenen Mängel als akzeptabel oder nicht änderbar hinzunehmen. Sicherlich wird es anderswo auch derartige Probleme geben. Es ist aber doch legitim darauf hinzuweisen. Das hat der NDR auch getan. Ich finde das ok.


    @ Wolfgang:
    §72 IfSG regelt den "Eigenvollzug" des IfSG durch das Eisenbahn Bundesamtes soweit die Aufgaben nach §§ 37 bis 39 und 41 betroffen sind. Dabei handelt es sich um Wasser für den menschlichen Gebrauch und Abwasser und dessen Untersuchungen. Mehr aber auch nicht. Unabhängig davon, habt Ihr -wenn Ihr mit der Bahn fahrt- auch diese Aufkleber neben dem "Wasserhahn" in Erinnerung, worauf das Trinkwasserglas durchgestrichen abgebildet ist? Dabei ist Wasser für den menschlichen Gebrauch doch nur abzugeben, wenn es Trinkwasserqualität hat, oder irre ich mich da?


    Abgesehen davon beinhaltet der §72 meines Erachtens nicht die hygienischen Bedingungen hinsichtlich Kopfstützen, allgemeiner Hygiene und schon gar nicht für die Lebensmittelhygiene der Bordbistros, oder irre ich da? Mir ist auch klar, dass es für die Lebensmittelüberwachung entsprechende Behörden gibt, die hier zuständig sein sollten, es praktisch aber nicht vollziehen. Ändert aber nichts daran, dass es ein -aus meiner Sicht- ernst zunehmendes Problem ist.


    Gruß
    Drui

    Verantwortung trägt man nicht nur für das was man tut, sondern auch für das was man nicht tut.

  • Hallo Kai, mag sein, dass rechtfertigt meiner Meinung jedoch noch nicht, die tatsächlich vorhandenen Mängel als akzeptabel oder nicht änderbar hinzunehmen. Sicherlich wird es anderswo auch derartige Probleme geben. Es ist aber doch legitim darauf hinzuweisen. Das hat der NDR auch getan. Ich finde das ok.

    Nein, das habe ich so nicht gemeint. Fair wäre es aber gewesen, auch andere Flächen zu vergleichen und den Nachweis eines MRSA zu dramatisieren.


    Hätte man z.B. auf die MRSA-Durchseuchung hingewiesen, wäre es fachlich einwandfrei gewesen - aber dann hätte sich der NDR für dieses Thema ja nicht mehr interessiert.


    Mich stört (mal wieder) diese einseitige Berichterstattung.

    @ Wolfgang:
    §72 IfSG regelt den "Eigenvollzug" des IfSG durch das Eisenbahn Bundesamtes soweit die Aufgaben nach §§ 37 bis 39 und 41 betroffen sind. Dabei handelt es sich um Wasser für den menschlichen Gebrauch und Abwasser und dessen Untersuchungen. Mehr aber auch nicht. Unabhängig davon, habt Ihr -wenn Ihr mit der Bahn fahrt- auch diese Aufkleber neben dem "Wasserhahn" in Erinnerung, worauf das Trinkwasserglas durchgestrichen abgebildet ist? Dabei ist Wasser für den menschlichen Gebrauch doch nur abzugeben, wenn es Trinkwasserqualität hat, oder irre ich mich da?

    Das gilt auch seit Inkrafttreten der TrinkwV 2001 so. Warum es das Eisenbahnbundesamt nicht durchsetzt, ist hier aber die Frage.

  • Zumindest theoretisch befasst sich das EBA ausführlich mit dem Thema:

    Im Übrigen hat das EBA auch an der DIN 2001-2 mitgearbeitet. Ich gehe aber davon aus, dass der Bahn eine Übergangsfrist eingeräumt wird.

  • Vollkommen korrekt: der 72er bezieht allein auf Trink- und Abwasser. Dazu habe ich gerade einen interessanten Vortrag gefunden - echt lecker.
    Ansonsten ist es schon so, wie Kai sagt: einseitig. Wir sind nun mal von Ferkeln umgeben, da nutzt auch die beste Desinfektion nichts.
    Es gab ja schon öfter mal "Untersuchungen" solcher Art. Mal sind es öffentliche Touchscreens, mal das Münzgeld. Und wie das auf dem Handlauf einer Rolltreppe in einem Kaufhaus aussieht können wir uns lebhaft vorstellen. Werden die überhaupt jemals gereinigt/desinfiziert?
    Wer sich daran stört, geht den richtigen Weg, indem er sich beschwert.
    Ich will den Ekelfaktor nicht in Abrede stellen, so richtig wohl fühle ich mich in der Bahn auch nicht. Bleibt nur der Weg, für den persönlichen Schutz zu sorgen.
    Und was die Überwachung der allgemeinen Hygiene angeht: ist das denn nun ein rechtsfreier Raum? Außerdem ist das EBA wohl nicht für die Bahnen in privater Trägerschaft zuständig. Wie läuft das da eigentlich?

  • Klar sind die Zustände bei der Bahn nicht zu beschönigen. Jedoch wissen wir doch alle, wie es auch in anderen Verkehrsmitteln aussieht. Ich möchte hier an dieser Stelle, die von uns allen gewünschte Hygiene nicht in abrede stellen, jedoch sind es doch die Nutzer der Bahn u.a. Verkehrsmittel die für die Verunreinigung sorgen. Weiter kommt hinzu das die DBAG ausländische und schlecht bezahlte Arbeiter beschäftigt (oder sogar über SUB-Firmen), welche die Reinigung dann durchführen. Die Frage bei den Beitrag mit den Fotos mit Bordbistro ist doch auch, zu welchen Zeitpunkt die Aufnahme gemacht wurde, wenn diese kurz vor der Endstation gemacht wurde, wird i.d.R. der Zug mehr oder leider auch weniger gut gereinigt. Aber auch bei Schädlingsbefall wird seitens der Bahn i.d.R. schnell reagiert und befallene Waggons aus dem Verkehr gezogen (z.B. Wanzen und Kakerlaken) :daumen2:

  • Zitat

    Die Frage bei den Beitrag mit den Fotos mit Bordbistro ist doch auch, zu welchen Zeitpunkt die Aufnahme gemacht wurde, wenn diese kurz vor der Endstation gemacht wurde, wird i.d.R. der Zug mehr oder leider auch weniger gut gereinigt.

    Das Bild vom Bordbistro wurde 2 1/2 Stunden vor erreichen des Zielbahnhofes gemacht, also nicht kurz vor der Endstation. Natürlich wird der Schmutz von den Fahrgästen gemacht, keine Frage, doch was willst Du uns damit sagen, dass nach dem Verursacher-Prinzip der Fahrgast auch seinen Dreck wegmachen soll? Sicherlich nicht. Im Bereich der Lebensmittelhygiene gab es auf der Fahrt eklatantes Fehlverhalten (im personellen Verantwortungsbereich) des Mitarbeiters. In Bordbitros und auch im Bordrestaurant, wo für gutes Geld hochwertige Lebensmittel abgegeben werden, sollte man davon ausgehen können, dass auch die Vorgaben der Lebensmittelhygiene eingehalten werden, insbesondere dann, wenn die Mitarbeiter es in der Hand haben.


    Auch die allgemeine Hygiene, wie Reinigung der Kopfstützen (schaut Euch das Bild mal genauer an, vergrößert es durch Doppelklick). Würdet Ihr Euren Kopf an diese Kopfstütze legen wollen? Das was ihr dort seht, war der pure Schmutz. Gott sei Dank nicht die Regel, aber auch nicht die Ausnahme. Gerade hier finde ich es besonders eklig, weil die Kopfstützen vom Material her leicht zu reinigen sind.
    Bei den verschmutzten Kopfstützen handelte es sich im Übrigen um eine Regionalbahn (nur zur Info).


    Ich bin sicherlich nicht penibel, aber hier besteht Handlungsbedarf. Meinen Beitrag dafür habe ich und werde ich weiterhin leiste.
    Gruß
    Drui

    Verantwortung trägt man nicht nur für das was man tut, sondern auch für das was man nicht tut.

  • Seit 2012 hat sich einiges getan in Sachen Hygiene bei der Bahn. Sowohl in der Lebensmittelhygiene, als auch in der allgemeinen Hygiene. Ich hatte zwischenzeitlich, bedingt durch meine Tätigkeit im Fachkreis Lebensmittelhygiene e.V. regen Kontakt mit der Bahn, was die Hygiene betrifft und ich möchte in diesem Zusammenhang erwähnen, dass der Fachbereich Lebensmittelsicherheit Personenverkehr der Deutschen Bahn AG eine Leitlinie zur Lebensmittelsicherheit im Schienenpersonenverkehr (Stand 06/2014) heraus gegeben hat. Eine sehr gute Leitlinie wie ich finde. Sie berücksichtigt all die Dinge, die ich seinerzeit bemängelt hatte. Auch in Dingen der allgemeinen Hygiene hat sich viel bei der Bahn getan. Ich plane dazu eine Veröffentlichung Ende des Jahres in der Zeitschrift "Der Hygieneinspektor".


    Indes möchte ich als Bahnfahrer auch an die Vernunft der Reisenden erinnern. Dazu gibt es einen Beitrag im Magazin "Sauber" der da heißt: "Wenn Keime reisen" . Wenn Ihr möchtest, könnt Ihr Euch den Artikel hier durchlesen (ab Seite 11)

    Verantwortung trägt man nicht nur für das was man tut, sondern auch für das was man nicht tut.